Ein neuer Verband entsteht nicht auf dem Papier, sondern in den Köpfen der Menschen, die ihn gestalten. Er lebt vom Engagement, von klarer Ausrichtung – und vom Mut, Bewährtes infrage zu stellen. Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Bundesverbands des Solarhandwerks (bdsh), zeigt mit seiner Gründungspraxis, was es heißt, einen Verband wie ein Start-up aufzubauen – und dabei ganz bewusst alte Muster zu vermeiden.
Klarer Fokus statt breiter Beliebigkeit
Schon zu Beginn war klar: Der bdsh will nicht „noch ein Verband“ sein. Vielmehr schließt er eine Lücke, die von bestehenden Strukturen nicht ausgefüllt wird – die Interessen kleiner, qualitätsorientierter Solarunternehmen, die vor Ort die Energiewende umsetzen. Die Gründungsidee war getragen von sieben engagierten Unternehmern, die in kurzer Zeit an einem Strang zogen. Statt Konkurrenzdenken stand der Wille zur inhaltlichen Schärfung im Mittelpunkt.
Ein deutlich formulierter USP – mit klarem Qualitätsanspruch – wurde zur Leitlinie. Damit verbunden: die Entscheidung, nicht alles für jeden machen zu wollen, sondern gezielt die Interessen einer spezifischen Branche und Betriebsgröße zu vertreten.
Drei Phasen, ein Ziel
Die Gründung des Verbands verlief in drei klar definierten Etappen: Zuerst die interne Klärung. Satzung, Werte, Strukturen – alles wurde mit Sorgfalt und Weitblick vorbereitet. Phase zwei war geprägt vom öffentlichen Auftritt: Website, erste Positionierungen, Sichtbarkeit auf Fachmessen. Phase drei – in der sich der Verband aktuell befindet – ist der Aufbau der Mitgliederbasis, das Etablieren von Strukturen und der Ausbau des Netzwerks.
Besonders wichtig: Diese Phasen verliefen nicht hektisch, sondern in wohlüberlegtem Tempo. Der Anspruch war nie, „schnell groß“ zu werden – sondern „nachhaltig wirksam“.
Mitgliedergewinnung beginnt bei der Bindung
Ein zentrales Lernmoment: Bindung beginnt nicht nach dem Beitritt – sondern beim ersten Kontakt. Deshalb geht der bdsh bewusst in Vorleistung: mit professioneller Kommunikation, niedrigschwelligen Informationsformaten und greifbaren Ergebnissen. Denn Glaubwürdigkeit entsteht durch Handeln, nicht durch Absichtserklärungen.
Persönliche Gespräche, digitale Veranstaltungen, regionale Treffen: Die Mischung aus Nähe, Fachlichkeit und Haltung sorgt dafür, dass sich potenzielle Mitglieder angesprochen fühlen – und bestehende engagiert bleiben.
Interessenvertretung braucht Präsenz – vor Ort
Digitale Kommunikation ist wichtig. Aber sie ersetzt nicht den direkten Draht zur Politik. Der bdsh setzt bewusst auf Gespräche im Wahlkreis, auf Betriebsbesuche mit Abgeordneten, auf konkrete Beispiele aus der Praxis. Hier entsteht Relevanz – weil politische Entscheidungen oft an realen Geschichten hängen.
Diese direkte Ansprache wird ergänzt durch klare Positionen, die gut vorbereitet, offen kommuniziert und konsequent vertreten werden. Auch Allianzen mit anderen Verbänden spielen dabei eine Rolle – immer dann, wenn gemeinsame Interessen geteilt werden können, ohne das eigene Profil zu verwässern.
Modernes Verbandsmanagement mit Augenmaß
Wer bei null startet, muss nicht alles neu erfinden – aber vieles neu denken. Beim bdsh bedeutet das: Digitalisierung da, wo sie Prozesse vereinfacht. Klare Tools für Mitgliederverwaltung, Kommunikation und Austausch. Gleichzeitig: persönliche Nähe, wo sie Bindung schafft. Ein gutes Verbandsmanagement findet die richtige Balance – zwischen Technik und Menschlichkeit, zwischen Struktur und Intuition.
Fazit: Wer gestalten will, muss beginnen
Ein Verband ist kein Selbstzweck. Er ist ein Werkzeug für Wandel – nach innen wie nach außen. Der Bundesverband des Solarhandwerks zeigt, wie ein moderner, agiler Verband entstehen kann, wenn man ihn mit Unternehmergeist und Haltung aufbaut. Es braucht nicht nur Erfahrung, sondern vor allem die Bereitschaft, Neues zu wagen und Altes loszulassen. Genau dann entsteht Bewegung – in der Branche, in der Politik, und bei den Menschen, die diesen Verband mit Leben füllen.