Blog-Layout

Public Affairs

Strategische Interessenvertretung im Wandel der Zeit

Public Affairs ist ein essenzieller Bestandteil moderner Verbandsarbeit, der die Brücke zwischen Wirtschaft und Politik schlägt. Verbände und Unternehmen agieren in einem zunehmend komplexen und dynamischen Umfeld, das durch Digitalisierung, EU-Regulierungen und eine Vielzahl neuer Akteure geprägt ist. Die Herausforderung besteht darin, sich in diesem Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Einfluss strategisch zu positionieren.


Die Grundlage: Eine durchdachte Strategie

Am Anfang jeder erfolgreichen Public-Affairs-Arbeit steht eine klare Strategie. Diese sollte auf den geschäftlichen Zielen des Verbandes oder Unternehmens basieren und auf langfristige Entwicklungen ausgerichtet sein. Es ist entscheidend, die politische Agenda genau zu analysieren und eigene Beiträge zu identifizieren, die zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Demografie, Digitalisierung oder Dekarbonisierung beitragen können. Wer sich als konstruktiver Partner der Politik positioniert, hat bessere Chancen, gehört zu werden.


Die Kunst der Kommunikation

Eine der zentralen Aufgaben von Public Affairs ist es, komplexe Themen in eine Sprache zu übersetzen, die von politischen Entscheidungsträgern verstanden wird. Eingängige Botschaften, unterstützt durch Zahlen und visuelle Inhalte, können den Unterschied machen. Es empfiehlt sich, nicht zu technisch oder branchenspezifisch zu kommunizieren, sondern die Perspektive der politischen Empfänger einzunehmen. Dabei spielen Fakten die Hauptrolle, während Emotionen gezielt und sparsam eingesetzt werden sollten.


Kanäle und Formate: Vom persönlichen Gespräch bis zu Social Media

Trotz der zunehmenden Digitalisierung bleibt das persönliche Gespräch das Herzstück der Interessenvertretung. Face-to-Face-Meetings schaffen Vertrauen und ermöglichen den direkten Austausch. Ergänzt wird diese klassische Methode durch Social Media, das Sichtbarkeit und Reichweite erhöht. Allerdings sollte auf sozialen Plattformen nicht zu polemisch oder populistisch agiert werden, da dies den Dialog mit der Politik eher behindern könnte.


Public Affairs umfasst heute eine Vielzahl von Formaten, von Positionspapieren und Publikationen bis hin zu Unternehmensbesuchen und Visualisierungen. Jedes Instrument sollte darauf abzielen, die politischen Ansprechpartner mit fundierten Argumenten und klaren Botschaften zu überzeugen.


Timing und Transparenz

Der richtige Zeitpunkt für Public-Affairs-Aktivitäten ist entscheidend. Zu Beginn einer Legislaturperiode empfiehlt es sich, den Kontakt zu neuen Abgeordneten und Entscheidungsträgern herzustellen. Wenn ein Gesetzgebungsverfahren startet, ist es wichtig, schnell und präzise Stellung zu beziehen. Das Transparenzregister, das seit 2022 für alle Interessenvertreter verpflichtend ist, erleichtert dabei die Kontaktaufnahme und schafft Vertrauen.


Fazit: Erfolg durch strategische Planung und professionelle Umsetzung

Public Affairs ist ein anspruchsvolles Handwerk, das strategisches Denken, kommunikative Kompetenz und den gezielten Einsatz verschiedener Kanäle erfordert. Verbände und Unternehmen, die ihre Botschaften klar und faktenbasiert formulieren und gleichzeitig die Perspektive der Politik einnehmen, können in einem zunehmend umkämpften Umfeld erfolgreich agieren. Dabei bleibt das persönliche Gespräch die Königsdisziplin, ergänzt durch innovative digitale Formate, die Sichtbarkeit und Reichweite erhöhen.


Dieser Ansatz ermöglicht nicht nur eine effektive Interessenvertretung, sondern stärkt auch das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik – eine unverzichtbare Grundlage, um gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.



Dr. Hans Bellstedt (Dr. phil.) 

ist Gründer und Inhaber der Hans Bellstedt Public Affairs GmbH. Er berät Vorstände und Geschäftsführer in strategischen und politischen Fragen, koordiniert die hbpa-Kompetenzpartner und vertritt hbpa im europaweiten United Government Affairs Netzwerk.


Hans Bellstedt studierte Neuere Geschichte, Volkswirtschaft und Politikwissenschaften in Göttingen, Bordeaux, Bonn und Paris. Er war unter anderem Mitarbeiter von Karl Lamers, MdB (1990–1991), Büroleiter von DIHT-Präsident Hans-Peter Stihl (1992–1995) sowie Referent für Vorstandspublikationen bei der ABB Asea Brown Boveri AG. Von 1999 bis Ende 2007 leitete er die von ihm gemeinsam mit Scholz & Friends gegründete Kommunikationsagentur Plato GmbH.

30. März 2025
Vom Start-up zur schlagkräftigen Interessenvertretung
9. Februar 2025
Verantwortung, Gestaltung und gesellschaftlicher Beitrag
29. Januar 2025
Ein Leitfaden für Verbände
24. Januar 2025
Gestaltung, Fallstricke und Empfehlungen
19. Januar 2025
Ein strategisches Instrument zur Führung und Entwicklung von Verbänden
11. Januar 2025
Rechtliche Vorgaben und praktische Herausforderungen
7. Januar 2025
Was macht eine gute Verbandswebsite aus?
6. Januar 2025
Effektives Personalmanagement in Verbänden: Strategien für die Gewinnung und Bindung von Talenten.
9. Dezember 2024
Das Netzwerk für Verbände
12. Februar 2024
Trends und Entwicklungen
Weitere Beiträge
Share by: